Im Jahr 2025 erhielten die CEOs von UBS, EFG International und Julius Bär variable Vergütungen, die bis zum 4,8-Fachen ihres Grundgehalts reichten. Damit überschritten sie deutlich die von der Ethos-Stiftung empfohlenen Obergrenzen. Diese Situation lässt erneut Bedenken hinsichtlich des Risikomanagements im Schweizer Bankensektor aufkommen.
14,9 Millionen Franken für den CEO der UBS, 9,6 Millionen für den CEO von EFG International und sogar 23,1 Millionen für den neuen CEO von Julius Bär, wenn man die 14,8 Millionen Franken als Ausgleich für die beim Wechsel von seinem früheren Arbeitgeber (Goldman Sachs) «entgangene» Vergütung berücksichtigt. Auch im Jahr 2025 erreichten die Vergütungen der Führungskräfte der grössten börsenkotierten Banken der Schweiz, ausgenommen Kantonalbanken, Rekordhöhen. Diese liegen weit über den in den Abstimmungsrichtlinien der Ethos-Stiftung festgelegten Grenzen.
Dem Geschäftsführer von EFG International wurde 2025 eine variable Vergütung in Höhe des 3,5-fachen seines Grundgehalts von 2 Millionen Franken zugeteilt. Die 2025 tatsächlich erzielte variable Vergütung belief sich jedoch auf 9 Millionen Franken. Diese berücksichtigt den Wert der drei Jahre zuvor im Rahmen des langfristigen Vergütungsplans ausgegebenen Aktien, deren Leistungsperiode im vergangenen Jahr abgelaufen ist. Dies entspricht dem 4,5-Fachen seines Grundgehalts.
Der CEO der UBS, der 2023 die Leitung der Bank übernommen hat und dessen erster langfristiger variabler Vergütungsplan daher noch nicht abgelaufen ist, erhielt 2025 eine variable Vergütung in Höhe des 4,8-fachen seines Grundgehalts von 2,5 Millionen Franken. Die variable Vergütung des neuen CEOs von Julius Bär beläuft sich (ohne «Replacement Payment») auf das 4,1-Fache seines annualisierten Grundgehalts von 1,5 Millionen Franken.
Die Richtlinien von Ethos sehen als Obergrenze für die variable Vergütung das Dreifache des Grundgehalts für CEO und dem Zweifachen für die übrigen Mitglieder der Geschäftsleitung vor. «Diese Obergrenzen sind nicht zufällig gewählt», betont Vincent Kaufmann, Direktor der Ethos-Stiftung. «Sie sollen verhindern, dass das Management übermässige oder gar unüberlegte Risiken eingeht, wie es während der Finanzkrise 2008 oder beim jüngsten Zusammenbruch der Credit Suisse der Fall war.»
Maximal das Siebenfache des Grundgehalts bei der UBS
Ethos hat die Vergütung des UBS-Chefs mit der von 15 CEOs grosser europäischer Finanzunternehmen verglichen. Das Ergebnis: Sein Grundgehalt liegt 150 Prozent über dem Median, seine Gesamtvergütung 147 Prozent über dem Median. Zudem hat die aktuelle politische Debatte in der Schweiz über die Eigenmittel der UBS wahrscheinlich die Festlegung seiner Vergütung für 2025 beeinflusst, wie dies bereits 2024 der Fall war. Der Vergütungsbericht der UBS nennt eine Obergrenze vom Siebenfachen des Grundgehalts für die variable Vergütung der Führungskräfte.
Bei Julius Bär liegt die grösste Sorge in diesem Jahr in der Höhe der Antrittszahlung für den neuen CEO. Ausserdem sind nur 4,6 Millionen von den 14,8 Millionen Franken, die er in diesem Zusammenhang erhalten hat, an aktienkursabhängige Leistungsziele geknüpft. Bei den verbleibenden 10,2 Millionen wird nicht offengelegt, wieviel davon zeitlich verschoben und an eine Bedingung der fortgesetzten Beschäftigung sowie an eine Rückforderungsklausel («Clawback») geknüpft ist. Dies erachtet Ethos angesichts des hohen Betrags als problematisch.
Ethos kritisiert zudem die Anhebung der Obergrenze für die variable Vergütung der Mitglieder der Geschäftsleitung von Julius Bär vom Vierfachen auf das Sechsfache des Grundgehalts. Vor dem Hintergrund der Verlusten im Zusammenhang mit dem Signa und den entsprechenden Mängeln im Risikomanagement erscheint eine Erhöhung des Aufwärtspotenzials der variablen Vergütung als unvereinbar mit der Etablierung einer vorsichtigen Risikokultur.
Ethos empfiehlt den Aktionärinnen und Aktionären der drei Banken daher, gegen alle Tagesordnungspunkte im Zusammenhang mit den Vergütungen zu stimmen. Davon ausgenommen sind die Fixvergütungen der Mitglieder der Geschäftsleitung von Julius Bär. Ethos wird diese Position an den Generalversammlungen von Julius Bär (9. April) und UBS (15. April) vertreten, während diejenige von EFG International bereits am 20. März stattgefunden hat.
Weit entfernt von den Vergütungen amerikanischer Banker
Die drei Schweizer Führungskräfte gehören damit zu den bestbezahlten Bankern in Kontinentaleuropa. En der Europäischen Union sind die Bankboni seit 2014 auf das Doppelte des Grundgehalts begrenzt. Diese Massnahme wurde nach der Finanzkrise eingeführt, um eine übermässige Risikobereitschaft einzudämmen. Auch wenn diese Obergrenze nach wie vor gilt, hat UniCredit nicht daran gehindert, ihren CEO Andrea Orcel – der zeitweise als Kandidat für die Leitung der UBS gehandelt wurde –, im Jahr 2025 mit 17,7 Millionen Euro zu vergüten. Dabei betrug der variable Anteil das Doppelte des Grundgehalts.
Dennoch ist der Unterschied zu den USA nach wie vor gross, wo die CEOs der vier grössten Banken im Jahr 2025 alle mehr als 40 Millionen Dollar verdienten. Der Chef von JP Morgan erhielt 43 Millionen Dollar (+10.3 Prozent gegenüber 2024), der Chef von Citi 42 Millionen Dollar (+221.7 Prozent), der Chef von Morgan Stanley 45 Millionen (+32 Prozent) und der von Goldman Sachs 47 Millionen Dollar (+21 Prozent).